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die Ostbahn ihren Prototyp mit der Betriebsnummer 41001
bezeichnete, die Serie aber mit 241-002 bis 041 (der Prototyp
erhielt nach entsprechender Anpassung die Nummer 241-001),
erhielten die Lokomotiven der "Etat" direkt die Nr.
241-001 bis -049.
Nach der im
Jahre 1938 erfolgten grossen Verstaatlichung der französischen
Bahnen erhielten alle diese Lokomotiven die Typenbezeichnung
241-A, wobei das "A" die Ostbahnbauart, im Gegensatz
zu anderen Bauarten gleicher Achsfolge, bezeichnet. Während
die Lokomotiven der Ostbahn nun systematisch von 241-A1 bis
A41 durchnumeriert wurden, erhielten die "Etat'-Lokomotiven
eine reichlich willkürliche Numerierung von 241-A42 bis A90.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die vor dem
Betrachter stehende 241-A65 die damalige 241-001 der
"Etat" ist, was durch Fabrikationsnummer und Akten
gut belegt ist. Die 241-A65 wurde 1931 von der Lokomotivfabrik
Cie de Fives in Lille mit Fabriknummer 4714 gebaut.
Diese,
seinerzeit grösste und leistungsfähigste Lokomotive Europas
ist vor allem gezeichnet durch ihre Bauart nach Deglehn/Dubusquet,
hinter welchen Namen sich erfolgreichste
Lokomotivkonstrukteure Europas verbergen. Deglehn war
Oberingenieur und Direktor der Lokomotivfabrik Grafenstaden (Elsass)und
Dubusquet der mit reicher englischer Lokomotivbauerfahrung
entwerfende Oberingenieur der französischen Nordbahn. 'Von Deglehn stammt der klassische Zweiachsantrieb mit
Vierzylinderverbundmaschine (zweifache Dampfdehnung) und
innenliegenden, die erste Triebachse antreibenden
Niederdruckzylindern.
Nach Dubusquet
erhielt das Fahrwerk keinerlei Lastausgleich zwischen den
Achsen sowie einen biegsamen Blechrahmen mit fest gelagerten
Triebachsen. Die Spurkranzschwächung der zweiten und dritten
Triebachse ist eine spätere Konzession an enge Depotkurven.
Ebenfalls nach Dubusquet sind die servomotor gesteuerten
Drehschieber in den Verbindungs-Dampfleitungen zwischen Hoch-
und Niederdruckzylindern. Durch diese Umsteuerschieber ist es
möglich, beim Anfahren und auch auf Steigungen die
Vierzylindermaschine wahlweise als Hochdruck oder in
Verbundwirkung zu fahren und auch Mischbetrieb zu verwenden.
Hierzu gehören sowohl ein normaler Hauptregler als auch ein
den Ueberhitzer umgehender Hilfsregler.
Neuland in
Europa war der gewaltige Dampfkessel nach amerikanischer
Bauart (Pennsylvaniabahn) mit einer durch eine
Verbrennungskammer nach vorne verlängerten Feuerbüchse und
gemeinsamer flacher Stehkesseldecke (ursprünglich nach dem
Belgier Belpair). In die stählerne Feuerbüchse sind alle
Stehbolzen und Rohre eingeschweisst. Zwei Thermosyphon-Sieder
der Bauart Nicholson tragen das tiefe Feuergewölbe. Im beinahe quadratischen Rost ist ein Kipprost eingebaut. Der
Kessel besitzt zwei Dampfdome mit ebenen Deckeln, wobei nach
Dubusquet im vorderen Dom der Hauptregler eingebaut ist. Er
erhält den Dampf durch ein im Dampfraum eingebautes Rohr aus
dem hinteren Dom. Typisch "Est" ist die ausserhalb
des Kessels angeordnete Dampfleitung vom Hauptregler über die
vordere Rohrwand hinweg zum Überhitzerkasten in der
Rauchkammer. Der Ueberhitzer nach Bauart Schmidt Kassel
besteht aus 30 Elementen von 5,5 m Eintauchtiefe.
Als
Speisevorrichtungen dienen zwei Frischdampf- Injektoren Lizenz
Friedmann Wien und ein Thermix, sowie ein grosser
Abdampfinjektor von Davis-Metealfe, London. Zu dem
Verstellblasrohr mit dem Querschnitt eines vierblättrigen
Kleeblattes (Typ trèfle PLM) gehört der weite konische
Schornstein.
Von besonderen
Interesse ist das zu den vorkommenden Kräften überaus leicht
gebaute Triebwerk aus legiertem Stahl, wobei jeder der vier
Zylinder seine eigene vollständige Steuerung nach Walschaert/Heusinger
besitzt und die inneren Steuerungen durch grosse Exzenter
angetrieben werden. Die Kropfachse oder Kurbelwelle besitzt
eigenen Massenausgleich, mit rotierender Zusatzschmierung und
ist aus neun Einzelteilen durch Aufpressen zusammengebaut. Um
diese hochbelastete Kropfachse frei dimensionieren zu können,
erhielten die zugehörigen Niederdruckkreuzköpfe eine
Versetzung zwischen Triebstangenebene und Kolbenachse von 32
Millimetern, wobei die Linealachse mit der Triebstangenebene
zusammenfällt.
Das
vom Führer zu betätigende Umsteuergetriebe ist auf der
linken Seite der Maschine zwischen zweiter und dritter
Triebachse angeordnet und besitzt je eine separate
Gewindespindel für Hoch- und Niederdrucktriebwerk, die
gegenseitig verstellt werden können. Der Führer steht, wie
es in Frankreich meist üblich ist, auf der linken Seite der
Maschine. Dach und Führerstandboden sind nach Bauart der "Est"
weit nach hinten gezogen, wobei die ansonst übliche,
bewegliche Tenderbrücke entfällt. Hierbei sind Lokomotive
und Tender über einen Zapfen mit Kugelgelenk miteinander
starr gekuppelt Ein registrierender, mit einer mechanisch/elektrischen
Zugsicherung gekoppelter Geschwindigkeitsmesser Bauart Flaman,
eine Westinghouse-Druckluft-Schnellbremse mit
Doppelverbund-Luftpumpe und auf Drehgestell und alle vier
Kuppelachsen wirkend, Druckluftsandung aus vier Sandkästen
vor alle 8 Triebräder, Zugsheizung mit Nass- und Heissdampf
sowie die formschönen Windleitbleche der Bauart "Est"
vervollständigen die Ausrüstung dieser, ihrer Zeit weit
vorausgeeilten Lokomotive, an deren Entwicklung auch ein später
in der Schweiz tätiger Ingenieur massgebend beteiligt war.
Beschreibung
des Tenders
Vierachsiger
Tender mit zwei auf Rollenlagern laufenden Drehgestellen,
durchlaufenden Längsträgern und genietetem Kohlen- und
Wasserbehälter. Im Kohlenraum ist ein mit Druckluft
angetriebener Kohlenschieber eingebaut.
Bei der Versetzung von der "Etat" zur Ostbahn ist
leider der ansonsten eingebaute "Schöpflöffel" zum
Wasserfassen während voller Fahrt ausgebaut worden. Hier zu
gehörten, ungefähr in der Mitte zwischen Paris und der
Atlantikküste, zwischen den Schienen eingebaute mehrere
hundert Meter lange wassergefüllte Tröge. Der Tender besitzt
Druckluft- und Handbremse, die auf alle Achsen wirken. Auf dem
Wasserkasten ist der Behälter mit Dosiervorrichtung, für die
Beimischung von Kesselsteinlösungsmitteln zum Speisewasser
nach System TiA montiert.
Der Tender, der heute mit der 241-A 65 gekuppelt ist, wurde
1934 von den Atéliers du Nord in Blanc-Nisseron gebaut.
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